mit 50 Jahren blicke ich auf eine bewegte Lebensreise zurück. Oft denke ich; "wow, das alles hast Du schon erlebt und vieles "überlebt", reicht eigentlich für hundert Jahre". Dann fällt mir sofort ein, ich habe noch so vieles vor, also bis ich 100 Jahre alt bin, wird meine Geschichte noch bunter und vielseitiger. Darauf freue ich mich jeden morgen nach dem Aufstehen. Und wenn beim Aufstehen meine Körperteile mal kurzfristig streiken? Na, dann hole ich einer der wichtigsten Fähigkeiten aus meiner Schatzkiste und mache Witze auch über diese Situation. So schaffe ich eine "heilsame" Distanz zu meiner Lage. Jede kleine oder große Grenzüberschreitung im Alltag begegne ich mit Humor und mache das, was mir meine Bettina sagte als ich 20 Jahre alt war und ich sie danach fragte, wie ich ihre Unterstützung erwidern kann: "Gib die Hilfe an anderen weiter, wenn Du in der Lage bist, das zu können."
Was soll ich sagen?
"I possum" :-)
Irgendwo, irgendwie, irgendwann
Im Sommer 1973 erblickte ich die Welt am Südufer des Plattensees in Ungarn.
Meinen Spitznamen „Szisza“ gab mir mein Trainer in Ungarn, als ich 14 Jahre alt war und im Internat für Erzieherinnen als Handball Sportlerin lernen durfte, was Leistung bedeutet und wie man eigene Ziele erreichen kann.
Nach 2 Semestern Studium an der ELTE in Budapest (Ungarn) wollte ich die deutsche Sprache richtig lernen und kam als Au-Pair Mädchen nach Frankfurt am Main. Als ich das erste Mal in Donautal aus dem Bus stieg wusste ich, ich werde nicht mehr nach Ungarn zurückgehen. Da ich erst noch die deutsche Sprache erlernen musste, brauchte ich 1,5 Jahre, bis ich an der Goethe Universität in Frankfurt mit dem Studium der Gesellschaftswissenschaften anfangen konnte. Das es überhaupt möglich war, verdanke ich meiner Bettina, auf deren Kinder ich aufgepasst habe. Sie hat damals für mich offiziell "gebürgt", ohne solch eine mit Notar beglaubigte Bürgschaft hätte ich das nicht machen dürfen als Bürgerin eines nicht EU-Landes.
An der Goethe Uni in Frankfurt absolvierte ich meinen Magisterabschluss in Politologie mit den Nebenfächern Internationales Recht und Psychologie.
Während der Studienjahre hielt ich mich mit diversen Jobs übers Wasser, arbeitete als Kinderfrau bei vielen Familien und als Leiterin von privaten, kleinen Kindergruppen. Ich war tätig in der Marktforschung und vermittelte Bauarbeiter in einer Personalagentur. In den letzten Studienjahren durfte ich dann als Assistentin der Geschäftsführung selbstständige Firmeninhaber unterstützen, u.a. einer HR Consulting Firma, einer Werbeagentur, einer Webdesigneragentur, einer IT-Firma und einer bekannten Fotografin. Dazu jobbte ich parallel immer in Kaffees und Restaurants. Das Studium war mein Hobby, wenn ich zur Uni gehen konnte, war das meine „freie Zeit“.
Da ich vom Plattensee aus Ungarn komme und Gastwirtschaft immer ein Thema für mich war, eröffnete ich im Jahre 2004 mit meinem Mann und meinem Bruder drei ungarische Restaurants, zwei in Hessen und eins in Baden-Württemberg. Wir arbeiteten weiterhin viel und hart, aber dieses Mal für uns.
2009 dann, als unser erster Sohn, Frodo, geboren wurde, erkannte ich, dass meine tatsächliche Lebensaufgabe in den Bereichen Pädagogik und Psychologie liegt. Ganz nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“ reflektierte ich alle Fähigkeiten und Erkenntnisse aus meiner bisherigen Arbeitswelt und bündelte diese zur strategischen Methode für meine Zukunft. Ich hatte einen Plan. Aber anscheinend musste ich noch mehr dazulernen: Wie sich später herausstellte, lief bei der Geburt einiges schief und ich war 3 Monate nach der Entbindung rechtsseitig gelähmt und wurde notoperiert. Ab da konnte ich unseren Sohn nicht so begleiten, wie ich es mir vorgestellt hatte und rutschte in die Depression hinein. Verschiedene Krankheiten kamen dazu, u.a. auch eine bösartige aggressive Fibromatose, die aus der Bauchdecke entfernt werden musste. Mir wurde gesagt, dass ich die Kinderplanung abschließen sollte. Wie so oft im Leben tat ich das nicht, hörte auf mein Bauchgefühl und wir bekamen 2012 unseren zweiten wunderbaren Sohn, John. In den schicksalhaften Jahren folgte ich meinem Motto: „Alles was mich nicht umbringt macht mich nur stärker“ und begann mit dem Bachelorstudium der Erziehungswissenschaften an der Goethe Universität in Frankfurt, welche ich 2016 erfolgreich abgeschlossen habe.
Als 2015 – nach einem weiteren schweren Krankheitsverlauf – meine Gebärmutter endgültig entfernt werden musste- suchte ich erneut nach „mir“ und fand eine gute Möglichkeit, mich selbst zu finden, in Form einer Pilgerreise. Da ich aber damals bereits an der Organisation für mein eigenes Montessori Kinderhaus war, mein Zweitstudium noch nicht abgeschlossen hatte und dazu das Montessori Diplom in Regensburg begann, wurde die Planung fürs Pilgern verschoben.
2016 eröffnete ich mein „Montessori Kinderhaus nanuS“ in meinem deutschen Wohnort, der hessischen Stadt Langen. Seitdem erleben dort 40 Kinder unabhängig ihrer sozialen Herkunft – also ohne hohe Betreuungsgebühren – die bestmögliche individuelle Begleitung, in dem sie Freude an der Selbstständigkeit erleben und durch das Erfahren der größtmöglichen Freiheiten nicht nur zu glücklichen, sondern auch zu humanen Menschen heranwachsen können.
2019 setze ich nun auch die Idee Pilgerreise um und begab mich zu Fuß allein auf den Weg von Mougas bis Santiago de Compostela. Auf den 140 km ohne Begleitung habe ich gemerkt, wie gut es mir tut, mit mir allein zu sein. Ich habe mich zu keiner Zeit gelangweilt, war nie traurig und trotz meiner Krankheiten und den körperlichen Schmerzen, die so das Pilgern an sich mitbringt, war das Gefühl, all die Kilometer aus eigener Kraft geschafft zu haben, exorbitant.
Nach einigen Monaten merkte ich, dass irgendwas noch fehlt, dass ich immer noch auf der Suche bin. So machte ich noch im selben Jahr – Oktober 2019 – ein kleines Inselhopping auf den Kykladen in Griechenland. Damals war ich 8 Tage alleine unterwegs, ohne Familie, ohne Freunde, brauchte die paar Tage für mich alleine, ganz einfach, wieder zu mir zu kommen.
In den letzten 7 Jahren entwickelte ich mich weiter,
absolvierte erfolgreich meine Ausbildung zur
PSYCHOLOGISCHE & SYSTEMISCHE BERATERIN,
gründete mein
Beratungsinstitut „inipso“,
um meine Erkenntnisse beruflich mit Menschen zu teilen.
Des Weiteren nahm ich an zahlreichen
Fortbildungen, Seminaren, Supervisionen
und an einem Symposium mit dem Dalai Lama teil.
Mein Horizont erweiterte sich, indem ich so oft es ging, kurze Reisen unternahm, immer auf der Suche nach dem einen Ort, an dem ich mich entschleunigen und entspannen kann und diesen wieder voller Energie aufgetankt verlasse. Genau diesen Ort fand ich im Oktober 2019: die Kykladen Insel Milos. In dem man Dinge mit Anderen teilt, erlebt man alles viel intensiver, vor allem die schöne Erfahrungen. Auch das ist einer der Gründe für meine "Lucet Clara Blue Seminarreisen".
Ich freue mich, wenn wir uns auf unseren Lebensreisen irgendwo, irgendwie, irgendwann begegnen.